Mai 19 2012

Privatsphäre – (m)eine Extremposition

Dieser Mamablog ist weder anonym noch halte ich hier mit meinen Ansichten hinter dem Berg. Ich schätze, dass ihn die meisten Leser erstaunlich offenherzig finden, einige womöglich blauäugig, und andere pikiert sind über meinen Mangel an Reserviertheit. Kürzlich habe ich ja schon “laut” darüber nachgedacht, wie öffentlich ein privater Blog sein darf, und weil mich das Thema weiterhin beschäftigt, will ich noch eine Runde “Blogphilosophie” nachlegen.

 

Als ich vor 15 Tagen in meine neue Wohnung zog, grinsten mich die Nachbarn belustigt an. Denn ich war die Frau, die ihre Gardinen bereits lange vor dem Einzug aufgehängt hatte. Dafür habe ich sogar einen Handwerker kommen lassen, und noch in der alten Wohnung alle im Keller gelagerten Gardinen liebevoll gewaschen. Wir wohnen im Erdgeschoss, direkt am Eingang zu unserem Mehrfamilienhaus, in das ich mit viel Glück und einem Wohnberechtigungsschein geraten bin. Es handelt sich um öffentlich geförderten Wohnraum, und da die Wohnanlage brandneu ist, und wir im reichen Baden-Württemberg wohnen, sieht alles todschick aus (Fußbodenheizung! Tiefgarage!), und ich werde in meinem Bekanntenkreis beneidet um diese Bleibe.

 

Um eine Sache beneiden mich meine Bekannten allerdings nicht: Das Badezimmerfenster liegt direkt am Eingang des Mehrfamilienhauses. Zwar gibt es ordentliche Außenjalousien, aber ich mag nicht im Dunkeln duschen, pinkeln und zähneputzen. Und Klebefolie, die mich am Herausgucken hindert, will ich auch nicht anbringen. Womit wir wieder bei der Privatsphäre wären, denn dieses Bad bringt mich jeden Tag dazu, meine Einstellung erneut zu überprüfen :) .

 

Ich stelle fest, dass die Christine Finke in der Erdgeschosswohnung und die Mama arbeitet aus der Blogosphäre wenig Unterschiede bei ihrer Einstellung zur Privatsphäre machen.

 

Um einen Puffer zwischen dem Hauseingang und meinem Bad zu schaffen, habe ich eine knallgelbe Stoffbahn drapiert, die dem Bad ein sehr freundliches Licht gibt und von außen etwas sonderbar aussieht. Wenn man unbedingt hereingucken will, kann man das immer noch, aber der Vorhang schafft ein wenig Distanz. Es würde mich herzlich wenig stören, wenn jemand aus den umliegenden Wohnblocks mich zufällig beim Pinkeln sieht. Oder beim Zähneputzen. Die Dusche ist in einer Ecke, so dass ich ungestört duschen kann, und mit einem Innenrollo kann ich auch dicht machen, falls ich den Wunsch nach mehr Abgeschiedenheit habe.

 

Zurück zum Internet – ich finde es befreiend, dass mir meine Privatsphäre ziemlich schnuppe ist. Die der Kinder muss ich natürlich anders achten als meine eigene. Aber grundsätzlich wäre es für mich nicht nur denkbar, sondern schön, noch wesentlich offener zu schreiben. Hätte ich keine Familie, würde ich das tun.

 

Trotzdem: wer möchte, kann sich über twitter, diesen Blog, meine Arbeitsproben und meine Kommentare unter anderen Blogs und Artikeln ein ziemlich umfassendes Bild von mir machen. Bitteschön, warum denn nicht!? Ich habe nichts zu verbergen, aber trotzdem Geheimnisse. Und wer die ergründen möchte, muss sich schon persönlich mit mir unterhalten. Nicht nur stille Wasser sind tief!

 

 

P.S.: Ich war ein extrem schüchterner Teenager, ein zurückgezogener Twen, und kompensiere möglicherweise seit 15 Jahren. Bin gespannt, wohin das noch führt! ;)

Mai 18 2012

Umzug mit Katze – Tipps

Wenn man der Sache etwas Zeit gibt, ist ein Umzug mit einer Katze gar kein Problem. Unsere Annika, jetzt knapp 4 Jahre alt, hat sich schon so gut in der Wohnung eingelebt, dass sie nun kurze Ausflüge in meiner Begleitung auf den Balkon wagt, wo sie aufgeregt allerlei fremde Gerüche aufnimmt und die Gegend inspiziert. Sie ist ein sehr scheues Tier, das panische Angst vor allen Männern (bis auf meinen tierlieben Kusin) hat, weil sie diese Spezies für unberechenbar und gefährlicher als Hunde hält. Und so ist sie sehr zufrieden, wenn sie einfach ein bisschen auf die Straße gucken kann :) .

 

Drei Mal bin ich nun schon mit einer Katze umgezogen, und zwar nicht nur mit dieser – Katzen begleiten mein Leben. Fortgelaufen nach dem Umzug ist mir nur eine Katze, um die ich bitterlich geweint habe. Das war, als ich 1999 mit dem Vater der Kinder von Berlin nach Lübeck zog, und wir zusammenzogen. Ich war ein Wochenende verreist, um meine Promotionsurkunde abzuholen, und als ich wiederkam, war meine geliebte Anaïs fort.

Nach einem Umzug eine Freigängerkatze alleine zu lassen ist also ein grober Fehler. Den restlichen Absatz, den ich hier noch dazu schreiben könnte, verkneife ich mir und schlucke noch einmal heftig.

 

In Berlin war ich bereits mit meiner Katze von der Anklamerstraße 500 Meter weiter an den Zionskirchplatz gezogen, was Anais überhaupt keine Schwierigkeiten machte – sie stromerte nun einfach durch einen anderen Hinterhof. Die Straßenbahnlinien vor der Haustüre bereiteten mir anfangs etwas Sorgen, aber da die Tram mächtig laut quietschte, wenn sie sich näherte, kam meine Katze nie in Gefahr.

 

Obwohl man ja sagt, Katzen würden Ortswechsel nicht gut verkraften, habe ich gegenteilige Erfahrungen gemacht: Die Berliner Katze reiste sogar mit mir zusammen zu meinen Eltern nach Freiburg, wo sie im Garten des Reihenhauses spazierenging und stets nach Hause fand, obwohl in der Wohnsiedlung dort ein Haus wie das andere aussieht. Wir fuhren bei meinen “Heimaturlauben” zuerst mit der U-Bahn bis zum Alex, durchquerten dann den Bahnhofmoloch bis hoch zur S-Bahn, und stiegen am Bahnhof Zoo in einen ICE um, wo die Katze 6 Stunden von oben im Gepäcknetz aus ihrem Weidenkörbchen schaute. Was wie Tierquälerei klingt, hat meiner Anaïs nichts ausgemacht; sie wusste, es geht an einen schönen Ort.

 

Wie schafft man es als Katzenbesitzer, dass das Tier den Umzug gut übersteht? Hier meine Tipps:

 

  • am Umzugstag mit Essen, Trinken, Kiste und Katzenkorb in ein Zimmer einsperren (Gästebad?), und die Katze erst herausholen, wenn alle fremden Menschen fort sind und der Umzug geschafft ist
  • Die Katze mit dem Bezugsmenschen zusammen in die neue Bleibe bringen, und dem Tier beruhigend zureden
  • In der neuen Wohnung die Katze vorerst auf ein Zimmer beschränken, in dem auch Kiste und Futter stehen
  • Wenn die Katze sich verkriecht, was zu erwarten ist, sie einfach in Ruhe lassen – nach ein paar Stunden oder Tagen wird sie etwas mutiger
  • Vertraute Möbel, Menschen, Geräusche erleichtern das Einleben ungemein. Nicht zu viel Neues auf einmal anschaffen
  • Viel mit der Katze reden, das beruhigt sie
  • Nach frühestens 7-10 Tagen an die frische Luft lassen und stets dabei bleiben, unbedingt mit Möglichkeit zum sofortigen Rückzug an einen sicheren Ort für die Katze (Balkontüre geöffnet!)

 

Eigentlich ganz simpel, oder? Dann wollen wir mal hoffen, dass die Katze brav auf dem Balkon bleibt und nicht herunterhüpft, um die spannende Baustelle zu erkunden. Denn laut Mietvertrag darf sie das nicht. Hörst du, Annika? Schön auf unseren 90 Quadratmetern bleiben, verstanden!?

Mai 13 2012

No Sports. Oder? Ein Zwiegespräch.

Du solltest mal wieder Sport machen.

Jaaaaa. Ich weiß. Ich habe aber keine Lust.

Jetzt hast du doch aber Zeit dafür! Und außerdem tut dir das gut!

Wie soll mir denn etwas gut tun, wozu ich keine Lust habe? Und gesund bin ich auch, hat doch der Check gerade erst ergeben – nee, ich mag keinen Sport machen.

Schön, dass du gesund bist. Aber glaube bloß nicht, dass das ewig so bleibt. Du wirst 46, da fängt man demnächst an zu rosten, und ungelenkig zu werden.

Ja, das ist mir auch klar. Ich fange ja auch bald wieder an mit dem Sport, bestimmt.

Bald? Wann soll denn das sein? Du hast vor 12 Jahren aufgehört, regelmäßig zu schwimmen, und bist nur sporadisch skaten und ein Mal skifahren gewesen seitdem. Und statt des Fahrrads nimmst du meist das Auto.

Hey, das liegt an den vielen Einkäufen, die ich schleppen muss! Und die Kinder – guck mal, meine Muskeln vom Kinder- und Einkaufstütenschleppen:

Fein. Die sagen aber nichts über deine Kondition und dein Herz-Kreislaufsystem aus. Und dass Sport Stresshormone abbaut, muss ich dir doch nicht erzählen, oder?

Nein, musst du nicht. Aber seitdem ich alleine lebe, habe ich gar keinen Stress mehr!

 

- Pause -

 

Aber ich seh’s ein. Ich kann mich nicht einerseits beschweren, dass ich zu wenig spüre, und andererseits meinem Körper die Bewegung verweigern. Und kürzlich, als ich Schmetterlinge im Bauch hatte, weil ich fast geflirtet hätte, da hatte ich auch Bewegungsdrang. Es muss da also einen Zusammenhang geben.

Siehst du! Sonst wirst du noch ein Nerd!

Um Himmels Willen. Im Grunde hast du mich ja überzeugt. Aber wie fange ich’s an, das mit dem Sport?

Manchmal kommt der Appetit ja beim Essen. Du solltest einfach mal etwas ausprobieren.

Etwas Altes, das ich schon immer gerne gemacht habe, oder etwas Neues?

Egal. Hauptsache, du fängst damit an.

Na gut. Aber nicht heute. ;)

Mai 09 2012

Angekommen – Impressionen nach dem Umzug

Es lief alles wie am Schnürchen – so einen klasse Umzug hatte ich noch nie. Sogar der Telefon- und Internetanschluss funktionierte bereits am Abend nach dem Einzug (wegen Erstbezugs musste ein Techniker vorbeikommen, das ist ja immer etwas heikel), und ich bin rundum zufrieden. Die Kinder fühlen sich jetzt schon wohl, obwohl sie noch keine Nachbarn zum Spielen getroffen haben, und unsere Katze wagt sich für kleine Ausflüge vorsichtig aus dem Zimmer großen Tochter. Umziehen mit Katze ist ja ein Thema für sich; an dieser Stelle nur so viel: es geht prima, solange die Bezugsmenschen die Ruhe bewahren :) .

 

Das Umzugsunternehmen hat mich mit Strukturiertheit und guter Laune beeindruckt – beides rar unter den rauen Männern, wie ich von den letzten 10 Umzügen als Erwachsene in Erinnerung habe. Die haben tatsächlich mitgedacht beim Ein- und Ausladen, und waren sich nicht zu fein, die Möbel in der neuen Wohnung sinnvoll aufzustellen, bis alles passte. Sogar mein Sorgenkind, der Keller, war ordentlich bestückt mit 7 Doppelregalen und meinen Kellerkisten, als die starken Kerle am Freitag Nachmittag wieder abzogen. Fünf Mal mussten sie fahren mit dem Umzugswagen, bis alles hier war; ich hatte ja mit einem LKW gerechnet, wie ich ihn selbst einmal für einen Umzug von Berlin nach Lübeck gemietet und gefahren hatte (das war aufregend! Ein 7,5-Tonner ist ziemlich groß), aber die Größe spielte auf der kurzen Entfernung zwischen neuer und alter Bleibe gar keine Rolle. Danke, Ali Baba, habt Ihr super gemacht! (Die heißen wirklich so!).

 

Und nun sitze ich heute erstmalig wieder ganz normal an meinem Tisch und Rechner, und freue mich über den wieder einkehrenden Alltag. Meinen neuen “Bloggerplatz” habe ich schon gefunden, es ist der Ort mit Aussicht auf die Straße, wo noch viele Lastwagen und Bauarbeiter für buntes Treiben sorgen. Von hier aus habe ich alles im Blick :) .

 

 

 

Zwei Dinge, auf die ich stolz bin, will ich Euch noch zeigen, bevor ich meinen Keller weiter in Ordnung bringe: Zum einen meine hübsche Super Light Classic in rot, die ich vor Monaten mal in einem Living-Magazin entdeckte und mir bestellt habe, und dann die gelbe Badezimmerjalousie, die ich eigenhändig angebracht habe. Ich weiß, die Gelbtöne beißen sich ein wenig, nennen wir es Color Blocking, aber da ich im Erdgeschoss direkt vor dem Hauseingang mein Badezimmerfenster habe, musste etwas Blickdichtes her. Und ich habe tatsächlich die Montageanleitung verstanden, obwohl mir so etwas den Schweiß auf die Stirn treibt. Lieber wäre mir eine rein getextete Anleitung als diese modernen Bildchen ohne Worte, wie sie auch Ikea mitliefert…

 

 

Die Orchidee im Bad hat mir die Wohnbaugesellschaft verehrt, als Entschuldigung dafür, dass dies hier noch mehr oder weniger eine Baustelle ist. Eine sehr nette Geste – ich hoffe nur, die geht mir nicht auch wieder ein, bei mir wachsen nur Palmen richtig gut. Das regelmäßige, und vor allem mäßige Wässern scheint mir nicht zu liegen ;) .

 

Ach, und die restlichen roten Klatschmohnaufkleber, wie ich sie in der alten Wohnung über dem weißen Sofa hatte, haben einen schönen Platz im Flur gefunden.

 

 

Mein kurz aufgeflackerter Impuls, zu flirten, ist übrigens in Umzugskartons und Geschäftigkeit erstickt worden. Arbeit lenkt ab ;) . Ob da noch eine kleine Glut glimmt? Ich werde berichten.

 

Immerhin ist mir aufgefallen, dass mir gar nicht wenige Männer hinterhergucken, seitdem ich mich wieder mit dem Thema Flirten beschäftige. Und eine kluge Freundin schrieb mir, das mit dem Flirten sei wie das Fahrradfahren, das verlerne man nicht. Der Vergleich ist wahrscheinlich ganz gut, denn ähnlich wie beim Radfahren muss man sich einfach trauen. und irgendwann loslegen. Und da ich unglaublich lange, seit 1998 aus der Übung bin, ist es kein Wunder, wenn ich etwas Aufwärmzeit brauche, oder?

 

Fahrradfahren und Flirten konnte ich früher allerdings ganz gut. Here’s looking at you, kid!

 

Linktipp innerhalb des Blogs:

Flirten – was bremst mich?!

 

Mai 03 2012

Impressionen: Am Tag vor dem Umzug

Meine Deadline war 17 Uhr – da endet der Kindergarten und somit meine Ruhe. Und obwohl ich heute noch beim Arbeitsamt war, die Änderungsmitteilung persönlich abgeben, und bei Edeka, um ein leckeres Abendessen zu kaufen, habe ich um 16:50 Uhr tatsächlich alles soweit fertig gehabt für den Umzug.

 

Ich verrate euch noch eine kleine Meise von mir: Ich habe eine Pünktlichkeitsmacke. Zuspätkommen schaffe ich nicht, selbst wenn ich es willentlich versuche. Sogar meine Magister- und auch die Doktorarbeit hatte ich jeweils 3 Wochen vor Abgabetermin fix und fertig – das ist etwas, was man unter Studierenden gar nicht erzählen mag, weil der ganze Rest der Welt Abgabetermine mittels Krankschreibungen, Todesfällen und Autounfällen herauszuzögern versucht. Nicht ich. Aber ich falle ja auch aus dem Rahmen ;) .

 

Für meine “überschüssigen” Möbel (weil ich mich von 190 Quadratmetern auf 90 verkleinere) habe ich eine gute Lösung gefunden: Mir ist eingefallen, dass mein ehemaliges Au-Pair Liz bestimmt Leute kennt, die ein Sofa und Schränke brauchen können. Da wir Facebook-Freunde sind, habe ich ihr vorgestern mitgeteilt, was ich zu verschenken habe, und heute stand sie mit einer entzückenden Freundin, ebenfalls dunkler Hautfarbe, vor meiner Tür. Die Sachen sind also weg.

 

Bezeichnend war, wie viel Raum in Form von Kisten meine Kinder in meinem Leben einnehmen: Von den 70 Kisten sind exakt 2 mit “Mama” beschriftet. Okay, da kommen noch meine Rollgarderobe und meine Bücherkisten dazu, und natürlich gehören die Dinge aus Küche und Bad auch mir, aber Besitz, der nur mein ist, ist rar. Für die Kinder habe ich reichlich Kisten verbraucht.. Besonders platzintensiv ist Playmobil, wenn man es nicht wieder auseinandernehmen will. Da ich diesen Fehler beim letzten Umzug vor knapp 4 Jahren gemacht habe und das Playmobil Pupppenhaus nie wieder so aussah wie vorher, habe ich diesmal das Piratenschiff und die Fähranleger samt Fähre sehr unelegant in Einkaufstaschen untergebracht. Wird den Umzugsleuten nicht schmecken, die wollen ja immer alles in Kisten, aber schließlich bezahle ich die.

 

Ich bin bereit. Und merke gerade, wie eine riesige Last von mir abfällt, weil ich endlich dieses Haus verlasse, in dem meine Ehe zuende ging. Jedem Ende wohnt ein Zauber inne.

 

Lintipps innerhalb des Blogs:

Long Train Running – Fernweh

Kinderbetreuung – meine Liste

 

Musikalischer Linktipp:

Bootsy Collins: I’m Leaving U (youtube)

 

 

Apr 27 2012

Flirten – was bremst mich!?

Ausnahmsweise schreibe ich mal um den heißen Brei. Ich könnte mich nämlich unsterblich blamieren. Es geht um meine innere Flirt-Bremse, mit der ich vorhin wieder Bekanntschaft gemacht habe. Da steht also ein potentieller netter Flirt vor mir, und ich kämpfe mit mir: Fluchtreflex! Nein, festhalten! (Ein Wunder dass ich überhaupt noch den Mund aufbekam, um in zusammenhängenden Sätzen zu sprechen). Der Drang, wegzulaufen, siegte, wenn auch nicht so rasch wie sonst. Einen kurzen Blick direkt in die Augen, jedoch beschützt durch meine Sonnenbrille, habe ich zustande gebracht, aber verbal blieb ich blass – wie sollte es auch anders sein, wenn ich gleich das Weite suche.

 

Warum, verdammt nochmal, benehme ich mich wie ein schüchterner Teenager? Ich bin doch die Frau, die furchtlos ihren Impulsen folgte, die denjenigen frech ansprach, der ihr gefiel, und die nicht lange fackelte, sobald sich Anziehung einstellte. Auf den Mund gefallen bin ich eher weniger, und Angst vor einem Korb hat mich noch nie zurückgehalten.

 

Fakt ist, seitdem ich die Kinder bekommen habe, ist beim Flirten irgendwie ein Schalter umgelegt. Ich fühle mich behindert. Eine gesellschaftliche Schere im Kopf ist es nicht, denn ich befürworte alternative Lebensformen und halte wenig von Prüderie. Meinem Nachwuchs ist es herzlich egal, ob ich flirte oder nicht, denn sie bekämen das gar nicht mit. Und selbst wenn, wären sie höchstens amüsiert, nicht verstört. An den Kindern kann es also nicht liegen.

 

Vielleicht habe ich einfach Bammel. Davor, dass sich aus einem kecken Gespräch wieder eine Beziehung entwickelt, die am Ende ein einziges Desaster ist. Allerdings bin ich nun schon fast zweieinhalb Jahre getrennt, da wäre es doch an der Zeit, mich mal wieder ein bisschen aus der Deckung zu wagen, oder? Das ist aber leichter gesagt als getan.

 

Nehmen wir mal als Beispiel den gutaussehenden Mann, dem ich Anfang dieser Woche begegnete. Wäre er flirtbereit und verheiratet, fiele es mir wahrscheinlich sogar leichter, mit ihm, sagen wir mal, einen Kaffee trinken zu gehen, als wenn er frei wäre. Denn ich kenne mich: Nach einem tiefen Fall, beziehungstechnisch, bieten sich zeitlich oder anderweitig befristete Affären viel eher für das Ausprobieren von Flirts an als Männer oder Frauen, die tatsächlich zu haben sind. Es fühlt sich sicherer an, mit jemandem zu üben, der vergeben ist. Die Vorstellung, jemals wieder einen festen Partner zu haben, der mich zwangsläufig einengt, behagt mir nämlich gar nicht.

 

Aber flirten würde ich schon gerne. Ich sehe Euch fast vor dem Bildschirm den Kopf schütteln und denken, “Was macht die Autorin denn für eine Riesensache daraus?”, drum will ich noch erwähnen, dass ich meine, bereits Fortschritte gemacht zu haben, weg von meiner totalen Post-Trennungs-Flirt-Behinderung hin zu einem normaleren Umgang mit dem anderen Geschlecht. Denn noch vor einem Jahr erwischte ich mich dabei, nahezu panisch meinen Einkaufswagen von einem ansprechenden jungen Mann fortzuschieben, der mir im Kühltekenbereich von Kaufland entweder folgte oder einfach zufällig sehr oft über den Weg lief. Als er bei der Milch neben mir stand, wurde mir flau, und ich packte mit lächerlicher Entschlossenheit 10 Liter Milch in meinen Einkaufswagen, holte ein paar Regale weiter eine 1 kg Famlienpackung Nutella und besorgte gleich noch Windeln, obwohl ich sie nicht wirklich brauchte an dem Tag. Das ist doch nicht normal, oder?

 

Vielleicht fragt sich der eine oder andere Leser, wie ich das Thema Flirten denn in der Ehe gehandhabt habe. Ich sag’s Euch ganz ehrlich: Es gab nur 3 Männer in den 11 Jahren Beziehung, die mir gefielen. Damit meine ich nicht intellektuell, sondern im Sinne von “Spring mich an”, um es wieder mit der gewohnten Deutlichkeit zu sagen. Und ich habe tatsächlich geflirtet, mit einem der Herren sogar ziemlich wild. Dabei ist es aber auch geblieben. Nach der Trennung stach mir auch gelegentlich jemand ins Auge, ich nehme an, meist auf biochemischer Ebene. Gehandelt habe ich nie.

 

Womit ich wieder zu meiner Hypothese komme, dass ich schlicht Schiss habe. Nicht nur davor, auf die Nase zu fallen durch die Flirterei, sondern davor, überhaupt den ersten Schritt zu machen. Darf frau das eigentlich heute noch? Was ich früher unbedarft einfach probierte, scheint mir heute eine Zumutung in Richtung blödes Anbaggern an unangemessenem Ort und Stelle.

 

Hach. Wie’s scheint, komme ich nicht wirklich weiter. Ich werde ins kalte Wasser springen müssen, irgendwann. Oder hoffen, dass es jemand anders für mich tut. Falls der nicht Angst davor hat, sich unsterblich zu blamieren oder unangemessen zu handeln. Wenn ich weiterhin reflexartig aus Angst zurückzucke, wird das aber nix. Und sich erlernte Reflexe abzutrainieren ist verdammt schwierig.

 

Ich versuche, den Bann mit Schreiben zu brechen. Ob’s wirkt?

 

 

Linktipps innerhalb des Blogs:

Die Seele reist noch hinterher

Mama war einst cool

 

Apr 24 2012

Umzug: Ich habe die Schlüssel!

Zehn mal werden wir noch wach… die Kinder zählen schon mit, denn sie freuen sich auch auf das neue Zuhause. Morgen Abend werde ich sie zum allerersten Mal mit in die Wohnung nehmen, denn um 18 Uhr wird meine rote Einbauküche angeliefert, die dann am Tag darauf montiert wird. Noch ist die Wohnung ganz leer, aber seit heute 11 Uhr ist sie mein.

 

Ich habe gegrinst wie ein Honigkuchenpferd, glaube ich – jedenfalls fühlte es sich so an. Zum vereinbarten Treffpunkt kam nicht der mit mir verabredete Sachbearbeiter der Wohnbaugesellschaft, sondern ein sportlicher junger Projektleiter, der mich kurz aus der Bahn warf, weil ich mich dabei erwischte, zu überlegen wie alt der Mann denn wohl sei und ob er verheiratet ist, was ja bei einer Schlüssel- und Wohnungsübergabe nicht konzentrationsförderlich ist. Ich fühlte mich genötigt, dem netten Herrn zu erklären, warum ich ihn so anstrahlte, nicht dass der denkt, ich flirte mit ihm – sowas tue ich doch nie, ich wüsste ja nicht, mit wem ;) , wie ich kürzlich schrieb.

 

Als wir durch alle Räume gegangen waren, und die Übergabe der Wohnung samt Ablesen der Zähler vorüber war, stand ich ganz alleine und sehr glücklich in der neuen Wohnung. Konkret hätte ich hüpfen und schreien können vor Glück, habe dann aber doch den Zollstock gegriffen und den Grundriss, um die Länge der Gardinenstangen auszumessen und mir zu überlegen, welche meiner Möbel ich wo hinstellen möchte. Es ist nämlich kein Kinderspiel, sich von 190 Quadratmetern auf 90 zu verkleinern, da muss jedes Zimmer optimal ausgenutzt werden. Und vollgestopft soll es auch nicht aussehen bei mir.

 

Zum Glück habe ich einen der größeren Keller im Haus erwischt, wo ich bequem 7 meiner Holzregale unterbringen kann, und auch die Ski, die Schlitten, die Koffer, und die Rollgarderobe voller Matschhosen und -jacken in allerlei Größen und Fasnachtskostümen für Kinder gut unterkommen werden. Wenn ich all meine Sachen dort untergestellt habe, ist sogar noch Platz für den alten Kühlschrank (Steckdose vorhanden), in dem ich jede Woche 15 Liter Milch verstaue. Fein!

 

Noch wohnt niemand in dem Haus, soweit ich das sehen kann. Ich bin sowas von gespannt, wer meine Nachbarn werden – insgesamt sind dort im Wohnblock 109 Neubauwohnungen bezugsfertig. Da könnten ein Haufen netter Leute dabeisein.

 

So komisch das klingt, mittlerweile bin ich ganz froh, dass ich arbeitslos, alleinerziehend und eigenbedarfsgekündigt bin. Auch wenn sich das im Dezember noch gar nicht gut anfühlte, so hat sich nun doch alles zum Guten gewendet. Und was sich an der Jobfront tut, erzähle ich Euch ein anderes Mal – da ist nämlich auch Dynamik drin. :)

 

 

 

Apr 20 2012

Fundstück: Neues Fahrrad, gebraucht!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Print wirkt. Jedenfalls bei mir, denn der Flyer, auf dem ich las, dass ein großer Fahhrradverleih in Konstanz Gebrauchträder in gutem Zustand anbietet, lockte mich gestern in diese imposante Drahteselsammlung. Wie schön, dass wir in einer Urlaubsregion wohnen!

 

Der geneigte Leser erinnert sich, dass meiner ältesten Tochter das Fahrrad vor der Schule geklaut worden war, und dass ich von der Versicherung konsequenterweise kein Geld gesehen habe, da ich bei der Polizei wahrheitsgemäße Angaben gemacht habe – nach reiflicher Überlegung und einem inneren Ringkampf. ;) Es musste also ein neues Rad her, aber ein erschwingliches.

 

Mit 250 € im Portemonnaie zogen wir los, die Tochter und ich. Und hatten die Wahl aus mehreren Rahmengrößen für Kinder, diversen Farben, Ausstattungen und Baujahren. Es waren, wie auf dem Flyer beworben, nur ordentliche Räder im Angebot, und ein anständig gepflegtes Fahrrad wäre auch für 100 € zu haben gewesen.

 

Wir haben uns dann für dieses wunderhübsche Modell zum Preis von 250 € entschieden, das fast unbenutzt ist und eine sehr gute Ausstattung hat (ich gestehe an dieser Stelle, eine Schwäche für schöne Fahrräder zu haben – fahre selbst ein metallicblaues Cresta, früher eines in dunkelblau von der Fahrradmanufaktur…):

 

 

Und direkt nach dem Kauf habe ich ein hochwertiges Schloss im Radladen erstanden. Wusstet Ihr übrigens, dass es mittlerweile auch Zahlenschlösser von z.B. Abus gibt, die Sicherheitsstufe 8 haben? Das ist enorm praktisch für leicht schusselige Schulkinder und erspart uns zukünftig um 7:10 Uhr in der Frühe die Suche nach dem Fahrradschlüssel! :) So ein sicheres Zahlenschloss ist sogar beleuchtet und für knapp 40 € zu haben. I like!

Seite 1 von 612345...Letzte »